Leine- und Ihmeufer

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Das Leine- und Ihmeufer

Das Leine- und Ihmeufer ist ein lang­ge­zogener, schma­ler Grün­bereich, quer durch das west­liche Stadt­gebiet von Hannover. Der park­artige Ufer­grün­streifen, der sich beid­seitig der Ufer von Leine und Ihme ent­lang zieht ist etwa 5 km lang und hat eine Breite, die zwischen 100 und 200 Meter schwangt. Die Fläche be­trägt etwa 0,7 km². Der Ihmepark ist ein wich­tiger Bestand­teil dieses Ufer­grün­bereichs. Das „Leine- und Ihmeufer“ bein­haltet aber nicht alle Ufer der Leine, sondern nur den west­lichen Teil der Leine. Die Lein­eufer am Maschsee, in der Innen­stadt sowie in der Calen­berger Neustadt sind räum­lich abge­trennt und nicht Bestand­teil dieses Ufer­parks.

hannover-park

Standort Leineaue und Ihmepark im Stadtgebiet Hannover

Daten von OpenStreetMap - Veröffentlicht unter ODbL

Art der Parkanlage:
Parkartige Flussaue

Fläche:
0,7 km²

Zieladressen:
1. Weddigenufer 30
    30167 Hannover
2. Peter-Fechter-Ufer
    30169 Hannover

Weitere Bezeichnungen:
Leineaue, Ihmepark

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Der Ufergrünstrei­fen beginnt am Maschsee-Wehr, an dem sich die Leine in zwei Fluss­arme auf­teilt. Ein als „Schneller Graben“ be­zeich­neter Fluss­arm zweigt von der Leine nach Westen ab und ver­einigt sich schon nach kurzem Weg mit der Ihme, Hannovers zweitem Fluss. Die Ihme ver­läuft dann mehrere Kilometer weiter nörd­lich bis zum Leine­drei­eck. Dort treffen die Ihme und die aus der Innen­stadt kommende Leine wieder auf­ein­ander. Der ver­einigte Fluss ver­läuft dann unter dem Namen Leine in einer Links­kurve weiter nach Westen. Am Wehr Herren­hausen endet dieser Grün­bereich und da­hinter beginnt die Mittlere Leineaue.

Das Leine- und Ihmeufer ist vom Maschsee-Wehr bis zum Wehr Herren­hausen durch­gehend für Fuß­gänger und Rad­fahrer er­schlossen und auf der ganzen Länge beid­seitig begrünt. Einzige Aus­nahme ist das Ufer am Ihme­zentrum. Auf den ufer­beglei­tenden Rad- und Geh­wegen kann man un­unter­broch­en der par­kartigen Grün­zone ent­lang dem Fluss­lauf folgen. Die Über­querung der Flüsse sowie die Unter­quer­ung der Straßen werden durch eine Viel­zahl an Brücken er­möglicht.

Markant für das Leine- und Ihmeufer sind die vie­len Ufer­wiesen, der alte Baum­be­stand und die vieler­orts be­stehen­de Natur­belassen­heit der Aue­vege­tation. Dabei sind die Park­gestal­tungen des Menschen mal weniger und mal mehr wahr­nehmbar. Zudem ist der Grün­streifen ent­lang der Leine- und Ihme Über­schwemmungs­gebiet, so dass das Ufer­park­gelände zeit­weise bei Hoch­wasser über­flutet und nicht zugäng­lich ist.

Das Leine- und Ihmeufer ist vor allem in den war­men Jahres­zeiten sehr belebt und lockt viele Menschen an. Auf den Rasen­flächen wird gegrillt und gepick­nickt. Der Ufer­park wird nicht nur zum spa­zieren gehen, Radfahren und Joggen genutzt, es gibt auch viele Ruderer und Kanu­fahrer, die auf den Flüssen unter­wegs sind.


Überblick und Beschreibung

Am Maschsee-Wehr teilt sich die Leine. Während die Leine gerade durch die Innen­stadt fließt, zweigt nach Westen der Schnelle Graben ab, um sich nach 500 Metern mit der Ihme zu ver­einigen. Dabei ent­nimmt er der Leine einen erheb­lichen Teil des Wassers und ver­schont die Innen­stadt vor Über­schwemmun­gen bei Hoch­wasser.

Durch den Zufluss des Leine­wassers vom Schnellen Graben wird das kleine Flüsschen Ihme zu einem Fluss. Das Fluss­bett liegt inner­halb eines brei­ten Flut­grabens und ver­läuft fast grad­linig nach Norden. An beiden Seiten des Ufers er­streckt sich eine große Frei­fläche. Die Flussufer sind teilweise dicht bewachsen und nicht über­all frei zugäng­lich. Auf den extensiv gepfleg­ten offenen Wiesen­flächen stehen ein­zelne Bäume, an einigen Stellen auch Baum­gruppen mit kleineren Bäumen. Längs des West­ufers ver­laufen ein Rad­weg und ein Fuß­weg, an dem in großen Abstän­den einzelne Bänke stehen. Das etwas schmalere Ostufer besteht aus einem Ufer­grün­streifen und einem Weg ohne Bänke.

Uferweg im Ihmepark
Uferweg im Ihmepark (groß)

Etwa 250 Meter fluss­ab­wärts vom Zu­fluss des Schnellen Graben ermög­licht eine Schräg­seil­brücke mit einem Fuß- und Rad­weg die Querung der Ihme. Die Lodemann­brücke ist eine wich­tige Verbin­dung zwischen Linden-Süd und dem Sport­park. Von der Brücke hat man einen schönen Blick längs der Ihme und man sieht im Hinter­grund die Silhouette der HDI-Arena. Weiter fluss­ab­wärts steht die Stadion­brücke. Die Brücke befindet sich vor der HDI-Arena und wird auch von Autos befahren.

Hinter der Brücke verläuft die Ihme weiter nach Norden und hat nur einen leich­ten Knick nach Westen. Nach etwa einem halben Kilometer kommt die nächste Brücke, die Legions­brücke. Dahinter wird der Ufer­park auf der west­lichen Seite zunächst etwas breiter. Dort liegt eine größere Wiese auf der zurzeit ein neuer Stadt­teil­park ent­steht, der im Laufe des Jahres 2017 fertig­gestellt wird. Weiter fluss­ab­wärts führt der Fuß- und Radweg teil­weise direkt am Ufer entlang und der Ufer­grün­streifen wird immer schmaler. An mehreren Bänken kann man auch nah am Ufer sitzen. Das Ost­ufer dagegen wird immer breiter und offener. Hier beginnt der im Jahr 2013 neu gestal­tete Ihmepark. An einer weiten Böschung mit einer offenen Rasen­fläche stehen viele neu ge­pflanzte Bäume. Ein Plateau am Ufer ermög­licht einen direkten Zugang zur Ihme und dient gleich­zeitig als Anlege­stelle für Boote. Daneben steht eine Sitz­fläche, auf der man gemüt­lich am Wasser sitzen kann.

Ab der Benno-Ohnesorg-Brücke sind die beiden Uferbereiche komplett unterschiedlich. Während das Westufer mit dem Ihme­zentrum dicht bebaut ist, ist das Ost­ufer offen mit weiten Wiesen, auf denen nur ein­zelne Bäume stehen. Die Wiesen vom Ihme­park werden auf der öst­lichen Seite von einer Baum­reihe aus Tulpen­bäumen begrenzt. Die Böschung ist mit mehreren großen Terrassen aus­ge­bildet, die zur Ihme hin ab­fallen. Die Kanten der Terrassen­stufen eignen sich von ihrer Höhe gut zum Sitzen. Direkt am Ufer befinden sich auch hier wieder mehrere Plateaus, die einen direkten Zugang zum Wasser ermög­lichen und eben­falls als Boots­anleger fungieren. An den Plateaus kann man auf Sitz­skulp­turen aus Holz und Beton sitzen. Die grad­linig asphal­tierten Fuß- und Radwege haben eckige Kurven und folgen größten­teils dem Fluss­lauf entlang den Ihme­wiesen.

Am östlichen Rand vom Ihmepark liegt der Calenberger Platz. Der Platz wirkt wie ein Stadtbalkon und fungiert als Entree zum Uferpark mit Blick auf die Ihme. Daneben steht die Ida-Ahrenhold Brücke, mit der man das Ihmezentrum am anderen Ufer erreichen kann. Das Ihmezentrum an der west­lichen Ufer­seite ist ein verwinkel­ter, unüber­sicht­licher und gigan­tischer Gebäude­komplex aus den 70er Jahren mit bis zu 20. Stock­werken. Im Ihme­zentrum ist es eben­falls möglich dem Ufer zu folgen. Der Weg schlän­gelt sich im und am Gebäude balkon­artig am Ufer ent­lang. Von hier hat man einen schönen Aus­blick auf den Ihmepark.

Weiter fluss­ab­wärts steht die Leinert­brücke, die von Autos und Stadt­bahnen befahren wird. Hinter der Brücke breitet sich der Ufer­park wieder über beide Seiten der Ihme aus. Das west­liche Ufer ist breiter. Es besteht aus einer tief liegenden Frei­fläche mit Ufer­wiesen und einem höher gele­genen Bereich mit einem Fußweg und einem Radweg. Daneben ragen die drei warmen Brüder hoch in die Luft. Die drei Schorn­steine vom Gas­kraft­werk, west­lich vom Ihme­ufer, sind das Wahr­zeichen von Linden.

Auf der östlichen Seite ist der Ufer­park zunächst etwas schmaler. Ein Weg führt, zwischen der Ihme und dem Straßen­bahn­betriebs­hof, dem Ufer ent­lang. Ein kleines Stück weiter fluss­abwärts wird der Grün­bereich aber wieder breiter, mit Ufer­wiesen auf denen ver­ein­zelt Bäume stehen. Die auch als Fähr­manns­wiese bezeich­neten Wiesen sind in den warmen Jahres­zeiten bei gutem Wetter sehr beliebt und mit etwas Glück kann man noch ein bisschen Platz finden, um den eigenen Grill aufzu­bauen.

An der Fährmannswiese ermög­licht die Justus-Garten-Brücke die Querung der Ihme. Die Brücke ist eine wichtige Ver­knüpfungs­schnitt­stelle der Ufer­wege der Ihme und Leine. Am Ende der Wiese, hinter der Justus-Garten-Brücke, befindet sich das Leine­dreieck, auch als Fähr­manns­eck bekannt. Dort fließen die Ihme und die Leine wieder zu­sammen. An der Spitze befinden sich ein künst­licher Strand aus Sand und eine Beach­bar mit Liege­stühlen. Ober­halb der Böschung liegt auf einer Terrasse ein von einer kleinen Mauer einge­fasster Platz mit Bänken. Von der Terrasse hat man eine schöne Aus­sicht über die beiden Flüsse.

Gegenüber, am westlichen Ufer, befindet sich die Faust­wiese. Es ist eine große breite Wiese, auf der viele Bäume stehen. Markant sind hier vor allem die hohen Papeln. Die Böschung zur Ihme und Leine ist stark mit Büschen be­wachsen. Neben der Wiese liegt ein Spiel­platz. Folgt man dem Fluss, der ab dem Leine­drei­eck Leine heißt, weiter fluss­ab­wärts, gelangt man zur Dorn­röschen­brücke. Die Dorn­röschen­brücke ver­bindet beide Ufer mit einem breiten Fuß- und Radweg. Von der Brücke hat man einen schönen Aus­blick längs der Leine und Ihme. Im Hinter­grund sieht man die Silhouette vom Rathaus und der Neu­städter Kirche. An dieser Stelle biegt die Leine in einer sanften Kurve nach Westen ab, so dass die Fluss­richtung nicht mehr von Süd nach Nord verläuft, sondern nun­mehr von Ost nach West. Linden liegt hier nun auf der süd­lichen Seite, während die nörd­liche Seite zur Nord­stadt gehört. Auf der südlichen Seite wird der Grün­bereich wieder schmaler. Das Ufer ist dicht be­wachsen und nicht direkt zugäng­lich.

Gegenüber auf der nörd­lichen Seite der Leine ist das Ufer offener. Von den Liege­wiesen am Ufer hat man direkten Zu­gang und Blick­beziehun­gen zur Leine. Dahin­ter befin­det sich eine Böschung und etwas höher liegt ein weiterer Park­bereich mit Bänken, Fuß- und Rad­wegen. Der Ufer­park ist hier mit vielen einzeln stehen­den Bäumen und kleinen Baumgruppen aufgelockert. Dahinter, weiter nörd­lich, ver­läuft der West­schnell­weg auf einem Damm, un­sicht­bar hinter dichten Büschen und Bäumen. Unter­führungen ver­binden den Ufer­grün­bereich mit der Nord­stadt und dem Georgen­garten. Ein Stück weiter fluss­ab­wärts führt der Weg noch an Klein­gärten und am Bier­garten „Dornröschen“ vorbei. Hier kann man im Sommer bei einem kühlen Bier schön auf die Leine blicken und den Wasser­sport­lern bei ihrem Treiben zu­schauen. Im weiteren Ver­lauf wird der Ufer­weg auf einem Deich geführt und nörd­lich von Klein­gärten beglei­tet.

Auf der Südseite reicht der Stadt­teil Linden dicht an den Fluss heran und man kann dem Fluss­lauf auf einer durch­gehend begrünten Ufer­promenade bis zur Schwanen­burg­brücke folgen. Hinter der Schwanen­burg­brücke, liegt am süd­lichen Ufer der Leine eine größere Wiese, die auch als Rats­wiese bezeich­net wird. Die Wiese wird von den Flüssen Leine und Fösse, sowie einem Graben um­schlossen. Von Osten, am Lein­eufer, über­quert man den Graben über eine Holz­brücke, unter der hin­durch die Mit­glieder eines Ruder­ver­eins ihre Boote zum Anleger tragen. Von Süden fließt die Fösse zur Leine hin und begrenzt die Rats­wiese auf der Süd­seite. Aus Limmer kommend, kann man die Rats­wiese über eine kleine Brücke erreichen. Die Fösse mündet west­lich dieser Wiese in die Leine. Über eine lange Holz­brücke über­quert man die Mün­dung der Fösse, um dem Ufer der Leine weiter zu folgen.

Kurz vor dem Wehr Herren­hausen ver­zweigt sich die Leine. Nach Westen zweigt zu­nächst der Leine­abstiegs­kanal ab. Der Kanal ver­bindet die Leine mit dem Zweig­kanal Linden. Am Wehr Herren­hausen, im Aufstau­bereich des Wehres, ist die Leine breit. Dort befindet sich ein Wasser­kraft­werk, die Wasser­kunst sowie die Schleuse und Ab­zwei­gung zum Ernst-August-Kanal. Die Wasser­kunst speiste früher die Fontänen der Herren­häuser Gärten. Das Wasser­kraft­werk erzeugt Strom für etwa 1.800 Haus­halte. Zudem gibt es hier auch noch eine Fisch­auf­stiegs­anlage, die es Fischen ermög­licht den Bereich des Wehres in beide Rich­tungen zu passieren. Entlang des Wehres und der Wasser­kunst gibt es einen Fuß­gänger­überweg. Dort kann man sich von der Gewalt des herab­stürzenden Wassers fesseln lassen. Jenseits des Wehres teilt sich die Leine in den eigent­lichen Fluss­lauf und in den Ernst-August-Kanal, der etwa parallel zu ihr verläuft. Da­hinter be­ginnt die Mittlere Leineaue.

Die Vegetation am Leine- und Ihmeufer wird von den regel­mäßig auf­treten­den Über­flutungen des Flusses bestimmt, so dass es hier starke Um­lagerungs-, Ablagerungs- und Abtragungs­vor­gänge von Boden­material während des Hoch­wassers gibt. Die Ufer der Leine und Ihme sind des­wegen auen­typisch von Wiesen und Weiden­ge­hölzen geprägt. Dort kann man zum einen Kriech­rasen und Fluss­röhricht sowie Weiden­gebüsch vorfinden. Markant sind hier Feucht­wiesen, Röhrichte und Hoch­stauden­fluren. An Ge­hölzen kann man zudem noch Ulmen, Weiden, Pappeln, Erlen, Hain­buchen, Ahorn und Eichen vor­finden. Zudem wächst am Leine- und Ihmeufer noch das Fluss-Greiskraut. Es wird auch als Fluss-Kreuzkraut bezeich­net und ist eine sehr seltene euro­päische Strom­tal­pflanze. Es kommt fast aus­schließ­lich in natur­belassenen Ab­schnitten größerer Fluss­auen vor.


Geschichte vom Leine- und Ihmeufer

Die Geschichte des Ufer­parks beginnt mit der An­legung vom Schnellen Graben. Bereits im Jahr 1449 wurde der Schnelle Graben als „Snellegrave“ erst­mals ur­kund­lich er­wähnt. Er sollte das Hoch­wasser der Leine um­leiten und die Stadt Hannover vor Über­schwem­mungen schützen. Außer­dem wurde die Ihme mit der Wasser­zufuhr aus der Leine zu einem großen und schiff­baren Fluss. Mit dem Bau des Schnellen Graben wurde am Ab­zweig der Leine ein Wehr ange­legt. Das Maschsee-Wehr wurde im Jahr 1745 nach häu­figen Beschädi­gungen in der heuti­gen Form neu gebaut.

Eben­falls im 18. Jahr­hundert, im Jahr 1722, wurde die Leine auch in Herren­hausen mit einem Wehr auf­ge­staut. Aller­dings aus ganz anderen Gründen. Es ging darum den Großen Garten mit Wasser zu ver­sorgen. Das auf­ge­staute Wasser der Leine sollte mit der gleich­zeitig errich­teten Wasser­kunst - einem Wasser­hebe­werk und einem Wasser­leit­system - die große Fontäne und die Wasser­spiele im Großen Garten be­treiben. Neben der Wasser­kunst ent­stand am Wehr Herren­hausen eben­falls die Schleu­se zum Ernst-August-Kanal. Der Ernst-August-Kanal über­brückt den Höhen­unter­schied zwischen dem Wehr Herren­hausen und dem anschlie­ßenden Fluss­lauf der Leine. Die im Jahr 1720 fertig­ge­stellte Wasser­kunst wurde im Jahr 1864 noch­mal erneuert.

Am Leine- und Ihmeufer gab es um das Jahr 1800 Anfangs nur private Garten­grund­stücke von wohl­haben­den Bürgern. Ab Mitte des 19. Jahr­hunderts ent­standen dann immer mehr Industrie­betriebe und Arbeiter­quartiere. Neben domi­nanten Groß­be­trieben wie den Webe­reien und der Gasan­stalt gab es auch eine Viel­zahl klei­nerer Fabriken. Die Stand­orte am Fluss­ufer lagen besonders günstig, sei es für den Bezug von Wasser für die Produk­tion, die Ent­sorgung von Ab­wässern oder auch für den Waren­trans­port per Schiff. Da sich die Fabrik­an­lagen am Ufer zwischen dem Schwarzen Bären und dem Wehr Herren­hausen anein­ander reihten, waren die Ihme und Leine um die Jahr­hundert­wende zum 20.Jahr­hundert stark von Indus­trie geprägt.

Einzige Ausnahme war, neben dem natur­be­lassenen süd­lichen Teil der Ihme, das Leine­dreieck. Am Zusammen­fluss der beiden Flüsse, Leine und Ihme, in­mitten der Fabri­ken, gab es viele Bäume und ein Aus­flugs­lokal mit dem Namen „Justus Garten“. Die aus einem Fach­werk­bau und einem Musik­pavillon be­stehende Schank­wirt­schaft wurde im Jahr 1868 eröffnet. Mit einer kleinen Seil­fähre gab es eine Ver­bindung vom Justus-Garten zu einer Fähr­stelle in der Nähe der heutigen Faust­wiesen. Ein weiteres Aus­flugs­lokal, weiter fluss­abwärts an der Leine, war das Dorn­röschen. Es besteht seit dem Jahr 1875.

Außerdem gab es damals auch eine Fahr­gast­schiff­fahrt mit Ausflugs­dampfern. Seit dem Jahr 1873 kann man per Schiff die Leine und Ihme ent­lang fahren. Im 19. Jahr­hundert sind zudem noch vier Fluss­bade­an­stalten ent­standen. Sie befanden sich in den Ohe­wiesen, wo heute der Schützen­platz liegt. Sie bestan­den bis etwa Mitte des 20.Jahr­hunderts.

Über die Ihme und west­liche Leine gab es Anfang des 20.Jahr­hunderts nur zwei Brücken. Die erste Brücke, war die Ihme-Brücke, die heute Benno-Ohnesorg-Brücke heißt. Sie war bis zum Jahr 1700 aus Holz und wurde im Jahr 1912 durch eine neue Brücke in Stahl­bau­kons­truktion ersetzt. Die Zweite Brücke war die Spinnerei­brücke, die heu­tige Leinert­brücke, die im Jahr 1890 gebaut wurde.

Nach dem Bau des Mittelland­kanals mit dem Zweig­kanal Linden ent­stand im Jahr 1917 der Leine­hafen. Der Güter­hafen am Nord­ufer der Leine, zwischen dem Dorn­röschen und dem Leine­drei­eck, sollte eine Konkur­renz zum Lindener Hafen sein. Der Hafen bestand aus einer 600 Meter langen Kaimauer mit einem Kran. Außer­dem hatte der Hafen einen Gleis­an­schluss an das Straßen­bahn­netz, um Güter vom und zum Hafen zu trans­por­tieren. Für den An­schluss an den Zweig­kanal Linden wurde der Leine­abstiegs­kanal mit samt einer Schleuse gebaut. Zusätz­lich wurde die Leine weiter ver­brei­tert und be­gradigt. Durch diese Maß­nahmen war damit auch die Innen­stadt von Hannover, insbe­sondere das damalige Gas­werk, an den Mittel­land­kanal ange­schlossen.

Aber auch die Ihme wurde Anfang des 20.Jahr­hunderts nicht von Bau­maß­nahmen ver­schont. Insbe­sondere in den Jahren 1934-37 wurde sie zur Ver­min­derung der Hoch­wasser­gefahr weiter vertieft, ver­brei­tert, begra­digt und ein­ge­deicht. Davor hatte die Ihme noch eine weite Schleife nach Osten über das Gelände des heu­tigen Schützen­platzes. Der Bereich der alten Ihme­schleife wurde damals als Ohe­wiesen bezeich­net. Durch die Maß­nahme ver­schwan­den auch die meisten bis dahin beste­henden Fluss­bade­anstalten.

Weitere Veränderungen in den 1920er und 1930er Jahren sind der Bau eines Wasser­kraft­werkes zur Strom­er­zeugung am Maschsee-Wehr im Jahr 1922 und der Bau von weiteren Brücken. So wurde 1937 zunächst die Legions­brücke gebaut und kurz darauf die Stadion­brücke. Im Jahr 1938 wurden außer­dem das Gelände am Leine­dreieck und das Aus­flugs­lokal Justus-Garten Teil vom Straßen­bahn­betriebs­hof „Glocksee“. Das Gebäude vom Aus­flugs­lokal wurde im zweiten Welt­krieg komplett zer­stört. Der Fähr­ver­kehr lief aber noch bis zum Jahr 1950 weiter.

Bis zum Jahr 1949 gab es die Schwanen­burg-Insel. Sie lag im Bereich der heu­tigen Rats­wiese, in Limmer, west­lich der Schwanen­burg­brücke. Die Insel ist Anfang des 20. Jahr­hunderts durch Begra­digungen der Leine ent­standen. Aller­dings ver­sandete der alte Leine­bogen im Osten im Laufe der Zeit immer mehr. Im Jahr 1949 schüttete man den ver­san­deten Wasser­arm mit dem Schutt aus den Bomben­an­griffen des zweiten Welt­krieges zu, so dass die Wiese auf der Schwanen­burg-Insel zu einer Halb­insel wurde.

Ab der Mitte des 20.Jahr­hunderts wandelte sich die bis dahin stark indu­striell geprä­gten Ufer der Ihme und Leine all­mählich. Nach dem zweiten Welt­krieg kam es im Laufe der Jahre immer mehr zu einer Öffnung der Ufer­be­reiche für die All­gemein­heit und es ent­standen öffent­liche Flächen. Durch zähes Ver­handeln, Planen und Bauen gelang es öffent­liche Wege und Grün­flächen ent­lang vom Leine- und Ihmeufer anzu­legen. Ab Ende der 1950er Jahre ent­stand mit dem Bau des Schnell­straßen­systems in Hannover auf den Flächen des ehe­maligen Leine­hafens, die park­artige Grün­fläche am Bremer Damm. Hier wurde im Jahr 1959 auch die Dorn­röschen­brücke ein­ge­weiht, die es Fuß­gängern und Rad­fahrern mit einem Tunnel unter dem Bremer Damm ermög­lichte von Linden in die Nord­stadt und zum Georgen­garten zu gelangen.

Aber auch weiter südlich ent­standen Ufer­begleit­wege und eine weitere Brücke für Fuß­gänger und Rad­fahrer. Im Jahr 1965 wurde die Lodemann­brücke fertig­gestellt, die Linden-Süd mit dem Sport­park und dem Masch­see bzw. beide Ufer der Ihme ver­bindet. Etwa zur gleichen Zeit wurde die frühere Spinnerei­brücke abge­rissen und neu gebaut. Sie wurde dann noch in Leinert­brücke umbe­nannt.

In den Jahren 1971-76 entsteht mit dem Ihme­zen­trum das damals größte inner­städtische Bau­pro­jekt Deutsch­lands. Das Bau­grund­stück des Ihme­zentrums lag direkt am West­ufer der Ihme. Dort befand sich zuvor die Mecha­nische Weberei, die im Jahr 1961 ihren Betrieb ein­ge­stellt hatte. Nachdem die letzten Werks­gebäude abge­rissen worden waren, begann der Bau des Ihme­zen­trums. Der riesige Gebäude­komplex beher­bergte bei der Fertig­stellung etwa 60.000 m² Wohn­flächen, zwei Kauf­häuser, 50 Einzel­handels­geschäfte, vier Banken, 11 Gast­stätten, eine Bowling­bahn und die Ver­waltungs­gebäude der Stadt­werke. Zusammen mit dem Ihme­zentrum ent­stand gleich­zeitig die Ida-Arenhold-Brücke, die es Fuß­gängern ermög­licht diesen riesigen Gebäude­komplex auch vom Ostufer der Ihme zu er­reichen. Heute stehen die Geschäfts­flächen im Ihme­zentrum größten­teils leer.

Aber auch die übrigen ehemali­gen Industrie­an­lagen am Ufer der Leine und Ihme ver­schwan­den mit der Zeit end­gültig. In den 1980er und 1990er Jahren wurden ehe­malige Gewerbe­grund­stücke saniert und umge­widmet. So ent­stand im Rahmen der Sanierung die Faust­wiese mit einem öffent­lichen Spiel­platz. Die Justus-Garten-Brücke war bereits im Jahr 1980 fertig­ge­stellt. Sie ist ein wich­tiger Ver­knüpfungs­bereich der Leine- und Ihmeufer­wege.

Ende der 90er Jahre wurde die Grün­anlage zwischen der ehe­maligen Haut­klinik und der Legions­brücke neu gestal­tet und um einen ehe­mali­gen Garten­teil der früheren Haut­klinik erwei­tert. Dazu wurde auch der letzte bis dahin nicht frei zugäng­liche Ufer­bereich für die Allge­mein­heit frei­ge­geben, so dass man seitdem einen durch­gängigen Ufer­weg bis zur Benno-Ohnesorg-Brücke hat. Ende der 90er Jahre, im Jahr 1999, wurde zudem noch das Wasser­kraft­werk und die Fisch­auf­stiegs­anlage am Wehr Herren­hausen in Be­trieb genommen.

In den Jahren 2008-2013 wurden weitere Maßnahmen zum Hochwasserschutz an der Ihme durchgeführt. Ziel war es den Abflussquerschnitt zu vergrößern und ausreichend Platz für das Wasser im Uferbereich zu schaffen, um bei Hochwasser den Wasserspiegel stromaufwärts abzusenken. Dazu wurde zunächst die Benno-Ohnesorg-Brücke durch eine 20 Meter längere Brücke ersetzt und dann ein Teil des Ihmeufers zwischen Legionsbrücke und Leinertbrücke tiefer gelegt. Das verseuchte Gelände an der Ihme musste zunächst abgegraben und saniert werden. Der auch als "Calenberger Loch" bezeich­nete Ufer­bereich wurde darauf­hin park­artig gestal­tet. Es ent­standen durch mehrere große Terrassen unter­teilte Wiesen­flächen. Zusätz­lich wurden in dem neuen Ihme­park Bäume gepflanzt. Für das Jahr 2017 stehen Pläne für eine Neuge­stal­tung des West­ufers der Ihme zwischen Benno-Ohnesorg-Brücke und Legions­brücke vor der Verwirk­lichung. Ziel ist hier die Reali­sierung eines neuen Stadt­teil­parks für Linden-Süd. Zunächst soll der süd­liche Teil umge­staltet werden. Später sollen noch zwei weitere Bau­ab­schnitte folgen.

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